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Schritt für Schritt zur Inklusion

18.08.2022

Wir haben Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader im Rathaus besucht und mit ihm darüber gesprochen, wie unsere Stadt noch inklusiver werden kann. Bader sagt: "Alle sollen in Kirchheim gleichermaßen am Leben teilhaben". Der Teckbote berichtet.

Diese Stadt wollen wir gemeinsam noch inklusiver machen - Anita Erdmann, Jochen Schumann und Sandra Maier mit Oberbürgermeister Bader über den Dächern von Kirchheim.
Diese Stadt wollen wir gemeinsam noch inklusiver machen - Anita Erdmann, Jochen Schumann und Sandra Maier mit Oberbürgermeister Bader über den Dächern von Kirchheim.

„Tja, da sind wir gleich beim Thema“, sagt Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader, lächelt entschuldigend, und blickt zur langen Treppe hoch in den Sitzungssaal – einen Aufzug gibt es hier nicht. Zehn Menschen mit Behinderung sind zu Besuch im historischen Rathaus, sie alle sind Beiräte der Lebenshilfe Kirchheim e.V., sie vertreten die Interessen der Menschen mit Behinderung. Sie wollen Fragen stellen zur Inklusion – im Sitzungssaal, da wo sonst der Gemeinderat tagt. 

Doch erstmal stellt sich allen eine ganz konkrete Frage: Wie kommt Heimbeirat Arthur Neidich mit seinem Rollstuhl diese Treppe da hoch? Gemeinsam stehen alle etwas ratlos im Foyer. Bis Arthur Neidich lächelt und anbietet, es zu Fuß zu versuchen. Mit seinen Armen zieht er sich am Geländer hoch, Stufe für Stufe. OB Bader krempelt die Ärmel hoch und trägt den grünen Rollstuhl hinterher, die Treppe hinauf in den Sitzungssaal.

Anita Erdmann sitzt schon ganz vorn links. Hinter sich historische Ölgemälde, vor sich ein Tisch-Mikrofon. Ein bissle aufregend sei das schon, sagt sie, zwinkert und rückt ihre Brille zurecht. „Das habe ich halt noch nie gemacht, einen Oberbürgermeister besucht.“ In der Mitte steht OB Bader und erzählt, dass die Gemeinderatssitzungen manchmal bis spät in die Nacht dauern. Es seien aber alle Menschen eingeladen, dort zuzuhören und Fragen zu stellen.

„Warum heißen Sie eigentlich Oberbürgermeister?“ will Markus Grözinger jetzt wissen. Das ist von Bader schnell erklärt: Alle Städte über 20.000 Einwohner haben einen Oberbürgermeister und beigeordnete Bürgermeister. „Wie wären denn Stadtführungen für alle von Menschen mit Behinderung?“ Diese Idee kommt von Jochen Schumann aus der Runde und sie begeistert alle: „Klar, das planen wir,“ beschließt Bader. 

Anita Erdmann streckt sich: „Könnten wir an der Haltestelle am Kruichling eine Bank und ein Dach bekommen?“ Sie steige hier immer aus und ein, auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit in den Werkstätten Esslingen-Kirchheim. „Ja, das gebe ich gleich ans Tiefbauamt weiter, vielleicht geht es dann schneller,“ verspricht der OB.

Und wie weit ist Kirchheim eigentlich in der Umsetzung des Inklusionsplanes? 

Im Jahr 2021 gab es Workshops mit Bürgerbeteiligung, auch Menschen mit Behinderung waren vertreten. Ende 2021 wurde der Aktionsplan zur Inklusion im Gemeinderat verabschiedet, er sieht konkrete Maßnahmen für die Jahre 2022 und 2023 vor. „Wir arbeiten ab, Schritt für Schritt,“ sagt Bader. Gerade seien die 120 Kirchheimer Bushaltestellen dran, alle sollen barrierefrei werden. Bei neuen Bauvorhaben werde die Inklusion sowieso gleich mitgedacht. Das neue Verwaltungsgebäude werde beispielsweise barrierefrei geplant und soll auch eine Toilette für alle haben.

„Alle sollen in Kirchheim gleichermaßen am Leben teilhaben“, sagt Oberbürgermeister Bader auf dem Weg hoch zum Rathausturm. Er will die Stadt noch von oben zeigen. „Jetzt wird’s historisch, sie sagen wenn’s nicht geht, ja?“ Wir stehen im staubigen hölzernen Treppenhaus des Turms. Steile Stiegen winden sich nach oben. Die letzte Treppe ist Sandra Maier zu unsicher. „Gleich haben Sie es geschafft,“ sagt Bader. „Möchten Sie?“ Er streckt ihr seine Hand entgegen, gemeinsam schaffen sie die letzten Stufen.

Und dann – rundum Ausblick auf die Dächer der Stadt, die Martinskirche mit der Kino-Leinwand – die Ukraine-Flagge flattert im Wind. Alle blicken hinunter auf das Wimmelbild aus spielzeugkleinen Autos, geschäftigen Menschen, Hunden, Fahrradfahrern. Diese Stadt wollen die Lebenshilfe-Beiräte gemeinsam mit dem OB noch inklusiver machen. Ist diese Aufgabe zu groß? „Nicht, wenn man immer wieder Kontakt sucht,“ sagt Bader. „Hey, schaut mal, der Dietz macht zu!“ ruft Anita Erdmann. „Da könnten wir uns doch noch ein Würstle angeln,“ lacht der OB. „Kommt wir werfen von hier oben eine Angel aus! Ich tauche dann aber ab, mich kennen hier alle.“ Eigentlich müsste OB Bader schon seit einer halben Stunde auf dem nächsten Termin sein. Doch jetzt ist Zeit für den Abstieg vom Turm. OB Bader geht vor Sandra Maier, so fühlt sie sich sicher. Und alle kommen gut unten an in ihrer Stadt. Schritt für Schritt.

Kontakt

Schritt für Schritt zur Inklusion

Cornelia Klee

Verwaltung - Geschäftsführerin

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